"Wirbel einrenken" oder vorher schon handeln?

Physiotherapie für Pferde als Präventiv-Maßnahme

Pferde-Physiotherapie als Präventionsmaßnahme - hier: Test des Schultergelenks
Pferde-Physiotherapie als Präventionsmaßnahme - hier: Test des Schultergelenks

Immer wieder höre ich dann, wenn das Pferd bereits beim Reiten deutliche Probleme zeigt, Sätze durch die Reitställe wabern wie „der muss mal eingerenkt werden“. Dann frage ich mich immer, wieso es erst so weit kommen musste, dass sich Probleme am Bewegungsapparat des Pferdes so weit manifestieren, dass es offensichtlich Schmerzen hat und Störungen im Bewegungsablauf zeigt. Zumal es doch so einfach ist, dafür zu sorgen, dass das gar nicht erst passiert.

 

Auf den Begriff „einrenken“ (über dessen Sinnlosigkeit ich einen separaten Blog-Artikel verfassen könnte) möchte ich jetzt gar nicht weiter eingehen, aber auf die Frage: Warum wird erst dann therapeutische Hilfe geholt, wenn das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist?


Im Humanbereich ist es unter Profi-Sportlern Gang und Gebe, sich regelmäßig – auch ohne das Auftreten von Problemen – in die Hände eines Physiotherapeuten zu begeben. Aber auch ein Freizeitsportler oder „jedermann“ kennt die wohltuenden Effekte einer physiotherapeutischen Anwendung. Es verbessert das Wohlbefinden und die Beweglichkeit erheblich und beugt Verspannungen sowie weitergehenden Beschwerden erfolgreich vor.

Ziele der Physiotherapie

Das Hauptziel der Physiotherapie ist, eine physiologische Beweglichkeit aller Gewebe im Körper (Muskeln, Gelenke, Faszien) zu erhalten oder wiederherzustellen. Dabei bedient man sich unterschiedlicher Techniken (u.a. Massagen, Faszientechniken, Mobilisationen, Dehnungen). Viele Beschwerden am Bewegungsapparat lassen sich dadurch heilen, und auch vorbeugend kann die Physiotherapie große Dienste leisten. Wird das Körpergewebe elastisch gehalten und seine Beweglichkeit gewährleistet, kommt es gar nicht erst zu den Situationen, in denen der Reiter sagt „jetzt muss mein Pferd mal eingerenkt werden“.

Erst handeln, wenn es schon nicht mehr anders geht?

Wer vorsorglich etwa 1-2x im Jahr sein Pferd therapeutisch durchchecken und behandeln lässt, kann sich und seinem Vierbeiner vieles ersparen. Muskelverspannungen und Faszienverklebungen können frühzeitig gelöst und damit Gelenkblockaden (im Volksmund „ausgerenkten Wirbeln“, welche es nicht gibt!) mit ihren weiteren Auswirkungen wie Schmerzen, Bewegungsstörungen, Lahmheiten etc. verhindert werden.
Zeigt das Pferd erst diese Symptome, ist oft ein längerer therapeutischer Weg, mehr Zeit, Geld und Geduld des Besitzers gefragt, um die Probleme wieder in den Griff zu bekommen. Mit einer Behandlung ist es dann oft nicht mehr getan.

Auch Freizeitpferde sind Sportler

Jedes Pferd, das geritten wird, ist Sportler. Auch wenn es „nur“ ein Freizeitpferd ist. Trotzdem erbringt es für uns hohe körperliche Leistungen. Einen Reiter zu tragen, und sei es „nur gemütlich durchs Gelände“ stellt hohe Anforderungen an den Bewegungsapparat eines jeden Pferdes. Ein Pferd ist nicht von Natur aus dafür gemacht, geritten zu werden. Nicht immer bleibt der Bewegungsapparat davon unbeschädigt. Auch kleinste Traumen im Muskel- oder Fasziengewebe können langfristig weitreichende Folgen haben. Doch diesen kann man mit Physio-Checks und Präventiv-Behandlungen vorbeugen. Das Pferd dankt es einem z.B. mit verbesserter Rittigkeit.

Wer reitet, bedient sich dem Körper des Pferdes - und schuldet ihm dafür etwas

Nämlich, dass es ihm gut geht und das Pferd keine Überlastungsschäden davon trägt. Jeder Reiter sollte sich im Klaren sein: Wer reitet, bedient sich dem Körper des Pferdes. Daher finde ich es wichtig, dem Pferd dafür zu danken und dafür zu sorgen, dass sein Körper lange gesund, gut beweglich, geschmeidig und schmerzfrei bleibt. Und nicht erst den „Einrenker“ zu rufen, wenn das Pferd seine Schmerzen schon deutlich zeigt.


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